Erkennen von Korrosion, Dellen oder Verformungen
Facility Management: Gase » Gasanlagen » Sichtprüfungen & einfache Kontrollen » Erkennen von Korrosion, Dellen oder Verformungen
Erkennen von Korrosion, Dellen oder Verformungen
Berstende Gasflaschen oder unkontrollierter Gasaustritt infolge von Schäden können gravierende Folgen für Personen und Anlagen haben. Entsprechend muss es im Facility Management einfache, klar definierte Routinen geben, wie solche Schäden erkannt, bewertet und gemeldet werden – sowohl im Lager als auch im laufenden Betrieb. Gasflaschen sind ortsbewegliche Druckbehälter und somit sicherheitskritische Komponenten. Äußerliche Schäden wie Korrosion, Dellen oder Verformungen sind häufig erste sichtbare Hinweise darauf, dass die Integrität der Flasche beeinträchtigt sein kann. Dieses Dokument beschreibt grundlegende visuelle Prüfkriterien und organisatorische Mindestanforderungen für das Erkennen von Korrosion, Dellen und Verformungen an Gasflaschen im Rahmen eines formalen FM-Prozesses (ohne technische Detailprüfungen oder Normverweise).
Korrosion, Dellen und Verformungen erkennen
- Ziele, Grundprinzipien und Einordnung im FM-Prozess
- Prüfumfang: Welche Bereiche der Gasflasche werden betrachtet?
- Erkennen von Korrosion an Gasflaschen
- Erkennen von Dellen und Verformungen
- Organisatorische Umsetzung im Facility Management
- Vorgehen bei festgestellten Schäden (Basisprozess)
Die visuelle Kontrolle von Gasflaschen verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele (Basisniveau):
| Zielbereich | Beschreibung (Basisniveau) |
|---|---|
| Personenschutz | Vermeidung von Unfällen durch Bersten, Leckagen oder Ventilabrisse |
| Anlagenschutz | Schutz von Gebäuden, Anlagen und Infrastruktur vor Druckgasunfällen |
| Betriebssicherheit | Sicherstellen, dass nur einwandfreie Flaschen in Betrieb und Lager sind |
| Rechtssicherheit | Nachvollziehbarer, geordneter Umgang mit schadensverdächtigen Flaschen |
| Früherkennung | Schäden früh erkennen, bevor sie zu kritischen Ereignissen führen |
Einordnung in den FM- und Sicherheitsprozess
Ergänzende Maßnahme: Die Sichtprüfung dient als ergänzende Maßnahme zu den gesetzlich geregelten Prüfungen und Kennzeichnungen, die durch den Gasversorger bzw. Flascheninhaber erfolgen.
Regelmäßiger Bestandteil: Sie ist fester Bestandteil von Lagerkontrollen, Annahmekontrollen (bei Flaschenanlieferung) sowie regelmäßigen Arbeitsplatzbegehungen.
Prozessverknüpfung: Die Kontrolle ist in die bestehenden Prozesse zur sicheren Lagerung, Handhabung und Rückgabe von Gasflaschen eingebunden.
Bei der visuellen Prüfung werden alle sicherheitsrelevanten Teile der Gasflasche in Augenschein genommen:
| Bauteil / Bereich | Kurzbeschreibung (Basis) |
|---|---|
| Flaschenkörper | Zylindrischer Mantel und Boden der Flasche |
| Schulter / Flaschenhals | Übergang vom Mantel zum Ventilbereich |
| Ventilschutzkappe / Kragen | Mechanischer Schutz des Ventils |
| Ventilbereich (nur äußerlich) | Sichtbare Ventiloberfläche, Gehäuse, Gewinde (ohne Zerlegen) |
Hinweis
Die Kontrolle erfolgt ausschließlich visuell (und ggf. durch leichtes Abtasten). Eigene Reparaturen oder der Einsatz von Werkzeug sind im Rahmen der Sichtprüfung nicht zulässig.
Typische Schadensarten- Zu den typischen äußeren Schadensarten an Gasflaschen zählen im Wesentlichen:
Korrosion (z. B. Rostbildung, Materialabtrag, Lochfraß oder Unterrostungen)
Dellen (lokale Eindrückungen am Flaschenkörper oder im Schulterbereich)
Verformungen (starke Ausbiegungen der Form – etwa eine „Eierform“ der Flasche – oder ein unebener Standboden)
Erkennen von Korrosion an Gasflaschen
Korrosionsschäden an Gasflaschen können von oberflächlichem Flugrost bis zu tiefer Materialzerstörung reichen. Die folgenden Merkmale und Kriterien helfen bei der visuellen Erkennung und Bewertung von Rostschäden:
Sichtbare Korrosionsmerkmale
| Korrosionsmerkmal | Beschreibung (Basis) |
|---|---|
| Oberflächenrost | Braun-rötliche Beläge, noch relativ glatt |
| Starke Korrosion | Tiefe Rostnester, Abplatzungen, sichtbarer Materialabtrag |
| Unterrostung / Blasen | Lackblasen, unter denen Rost sichtbar ist |
| Lochkorrosion | Sichtbare Löcher oder beinahe durchkorrodierte Stellen |
Beurteilung auf Basis visueller Eindrücke
Leichter Rost: Leichte, oberflächliche Rostspuren ohne erkennbaren Materialabtrag sollten beobachtet werden. Im Zweifelsfall ist der Zustand an den Lieferanten oder eine Fachfirma zu melden.
Starke Korrosion: Bei deutlichen Rostnestern, abgeplatzten Lackschichten oder beginnender Lochbildung ist die Flasche als schadensverdächtig einzustufen. Sie darf nicht weiter verwendet werden und muss umgehend separiert und entsprechend gekennzeichnet werden.
Korrosion am Boden: Korrosion im Bereich der Flaschenbodenkante oder am Aufstandsring ist besonders kritisch, da hier die tragende Struktur betroffen sein kann. Solche Schäden sind sehr ernst zu nehmen – die Flasche sollte sofort aus dem Betrieb genommen und wie oben beschrieben behandelt werden.
Typische Korrosions-Hotspots- Typische Korrosions-Hotspots und ihre Ursachen sind:
| Bereich | Mögliche Ursache (Basis) |
|---|---|
| Flaschenboden / Aufstandsring | Feuchtigkeit und Kondenswasser am Boden; aggressive Medien |
| Schulter- und Kragenbereich | Beschädigter Lack oder Abrieb durch Handling |
| Kontaktflächen im Lager | Langfristiger Kontakt mit feuchten oder korrosiven Unterlagen |
Erkennen von Dellen und Verformungen
Dellen und Verformungen entstehen meist durch mechanische Einwirkung oder Überlastung (z. B. Anstoßen, Umfallen, Anfahren). Sie sind ernstzunehmende Hinweise auf mögliche Vorschäden am Behälter. Im Folgenden wird zwischen lokalen Dellen und generellen Verformungen unterschieden und deren Bewertung erläutert.
Dellen am Flaschenkörper
| Merkmal | Beschreibung (Basis) |
|---|---|
| Lokale Eindrückung | Sichtbare Vertiefung, meist verursacht durch Anstoßen oder Umfallen |
| Scharfkantige Knicke | Ausgeprägte Kanten oder „Knicklinien“ im Material |
| Kombination mit Kratzern | Delle mit tiefen Kratzspuren – deutet auf starke Krafteinwirkung hin |
Bewertung (Basis):
Flache, breite Dellen ohne Knickkante können trotzdem sicherheitsrelevant sein und sind grundsätzlich meldepflichtig.
Scharfkantige Dellen, Knicke oder langgezogene Verformungen gelten als kritisch. In solchen Fällen die Flasche nicht weiter verwenden und umgehend aussondern (aus dem Betrieb entfernen).
Verformungen des Flaschenkörpers oder Bodens
| Bereich | Auffälligkeit |
|---|---|
| Flaschenkörper gesamt | Deutliche Formabweichung, z. B. „Eierform“; Zylinder wirkt schief oder gebläht |
| Boden / Standring | Flasche steht nicht mehr stabil (wackelt deutlich) |
| Schulterbereich | Unregelmäßige Kontur oder sichtbare Stauchungen am Flaschenhals |
Organisatorische Umsetzung im Facility Management
Für die praktische Umsetzung der Sichtkontrollen sind klare Verantwortlichkeiten, definierte Abläufe bei Schadensfeststellung sowie eine lückenlose Dokumentation und Schulung der Mitarbeiter erforderlich.
Zuständigkeiten für die regelmäßige Kontrolle von Gasflaschen im Betrieb sollten eindeutig festgelegt sein:
| Rolle / Funktion | Aufgabe (Basisniveau) |
|---|---|
| Facility Manager | Festlegen von Prüfintervallen, Prozessen und Meldewegen |
| Haustechnik / Lagerverantwortliche | Durchführung regelmäßiger Sichtkontrollen im Lager und bei Anlieferung |
| Nutzer / Fachbereiche | Kontrolle beim Flaschenwechsel am Arbeitsplatz; Meldung von Auffälligkeiten |
| Lieferant / Gasanbieter | Fachliche Bewertung gemeldeter Flaschen; Austausch schadensverdächtiger Flaschen |
Wird an einer Gasflasche ein Schaden vermutet oder entdeckt, ist nach einem klar definierten Grundschema vorzugehen:
| Schritt | Inhalt (Basis) |
|---|---|
| Erkennen | Korrosion, Delle oder Verformung visuell festgestellt |
| Sicherung | Flasche nicht weiter verwenden; sofort aus dem Betrieb nehmen und separieren |
| Kennzeichnung | Deutliche Markierung der Flasche als „GESPERRT / schadensverdächtig“ |
| Meldung | Information an Verantwortliche (FM, Haustechnik, Lagerverantwortliche) |
| Weiteres Vorgehen | Rücksprache mit dem Lieferanten/Gasanbieter; Rückgabe oder Entsorgung der Flasche gemäß den geltenden Vorgaben einleiten |
Wichtig
Es dürfen keinerlei Eigenreparaturen an der Flasche durchgeführt werden. Ebenso darf keine nicht-fachkundige Person eigenmächtig über eine Weiterverwendung entscheiden.
Dokumentation und Schulung
Dokumentation: Alle Kontrollen und festgestellten Schäden sind in geeigneter Weise festzuhalten. Zum Beispiel ist ein Eintrag in ein Prüf- oder Lagerkontrollprotokoll vorzunehmen (mit Datum, Flaschenart, Standort, festgestellter Auffälligkeit und ergriffener Maßnahme). Die Nutzung eines FM-/CAFM-Systems wird empfohlen, um wiederkehrende Kontrollen zu planen und Schadensfälle lückenlos nachverfolgen zu können.
Schulung: Mitarbeiter der Haustechnik, Lagerpersonal sowie relevante Nutzer (z. B. Labor- oder Küchenleitung) müssen regelmäßig über den sicheren Umgang mit Gasflaschen unterwiesen werden.
Schulungsinhalte sollten insbesondere umfassen:
das Erkennen typischer Schadensbilder (Korrosion, Dellen, Verformungen) und deren mögliche Gefahren,
die vorgesehenen Meldewege und sofort einzuleitenden Maßnahmen bei Auffälligkeiten,
das ausdrückliche Verbot von Eigenreparaturen oder “Begradigungsversuchen” an beschädigten Flaschen.
