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Anforderungen an Lüftung und Abgasführung

Facility Management: Gase » Gasanlagen » Komponenten & Infrastruktur » Lüftung und Abgasführung

Anforderungen an Lüftung und Abgasführung

Anforderungen an Lüftung und Abgasführung in Gassystemen

In Gebäuden mit gasbetriebenen Anlagen (z. B. Heizkesseln, BHKW, gewerblichen Küchen oder Prozesswärmeerzeugern) sind Lüftung und Abgasführung zentrale Bausteine für Sicherheit, Effizienz und Rechtskonformität. Das Facility Management muss sicherstellen, dass Verbrennungsluftversorgung, Raumlüftung und Abgasabführung so geplant, betrieben und überwacht werden, dass weder Gefahren durch Gasansammlungen oder Abgase entstehen, noch der bestimmungsgemäße Betrieb der Anlagen beeinträchtigt wird. Dieses Dokument beschreibt die grundlegenden Anforderungen an Lüftung und Abgasführung in Gassystemen aus Sicht eines strukturierten FM-Prozesses, ohne in detaillierte technische Normen einzusteigen.

Planung und Auslegung von Lüftung und Abgaswegen

Schutzziele von Lüftung und Abgasführung

  • Sicherstellung einer ausreichenden Verbrennungsluftversorgung für gasbetriebene Geräte

  • Vermeidung gefährlicher Gas- oder Abgaskonzentrationen in Aufenthaltsbereichen

  • Ableitung von Verbrennungsprodukten ins Freie unter Vermeidung von Rückströmungen

  • Begrenzung von Temperatur- und Feuchtebelastungen in Technikräumen

  • Unterstützung von Brand- und Explosionsschutzkonzepten des Gebäudes

Grundprinzipien in der FM-Perspektive

Aspekt

Grundprinzip (Basisniveau)

FM-Relevanz

Verbrennungsluft

Ausreichend, dauerhaft, nicht absperrbar ohne Sicherheitslogik

Planung; Kontrolle bei Umbauten; Betriebskontrollen

Raumlüftung

Gasansammlungen verhindern; Wärmelasten abführen

Lüftungskonzept; Wartung von Lüftern/Öffnungen

Abgasführung

Dicht; strömungstechnisch sicher; sichere Austrittsstellen

Überwachung; Inspektionen; Koordination mit Fachfirmen

Schnittstellen

Abstimmung mit Brandschutz, MSR und Gebäudeautomation

Systemintegration; Betriebsorganisation

Dokumentation

Nachweisführung zu Auslegung, Prüfungen, Störungen

Audit-Sicherheit; Haftungsschutz

Raumkategorien und Lüftungskonzepte (Basis)

In der Praxis werden folgende Raumtypen mit gasbetriebenen Anlagen unterschieden, für die jeweils passende Lüftungskonzepte (natürliche oder mechanische Lüftung) zur Anwendung kommen:

  • Technikräume mit atmosphärischen oder raumluftabhängigen Gasgeräten

  • Technikräume mit raumluftunabhängigen Gasgeräten (z. B. Gebläsebrenner, Kessel mit konzentrischer Luft-Abgas-Führung)

  • Gewerbliche Küchen und vergleichbare Bereiche mit offenen Gasflammen

  • Räume mit Gasverteilung (z. B. Gasregelstationen, Zählerbereiche)

Die Auswahl des Lüftungskonzepts richtet sich im Wesentlichen nach:

  • installierter Geräteleistung (kW)

  • Art des Brenners/Gasgeräts

  • Lage des Raums (Untergeschoss, Erdgeschoss, Dachraum)

  • Gasart (Erdgas ist leichter als Luft; Flüssiggas ist schwerer als Luft)

Für Lüftungsöffnungen und den notwendigen Luftwechsel gelten folgende allgemeine Mindestanforderungen:

Element

Basisanforderung (allgemein)

Hinweise für FM

Zuluftöffnungen

Ausreichender freier Querschnitt; Schutz vor Verschließen

Regelmäßige Sichtkontrolle; keine Lagerung davor

Abluftöffnungen

Möglichst dort angeordnet, wo sich Gas ansammeln könnte

Sauber und frei halten; nicht nachträglich überbauen

Natürliche Lüftung

Durch freie Öffnungen/Schächte mit Austritt ins Freie

Funktion darf nicht durch spätere Umbauten beeinträchtigt werden

Mechanische Lüftung

Auslegung entsprechend Wärmelasten/Emissionen; Funktionsüberwachung (Störmeldungen)

Wartungsverträge abschließen; Störmeldungen in Gebäudeleittechnik aufnehmen

Zusätzlich sind bei der Lüftung in Gasaufstellräumen folgende spezifische Aspekte zu beachten:

  • Vermeidung von „Totzonen“, in denen sich austretendes Gas ansammeln könnte (z. B. keine tief liegenden Gruben oder Schächte bei Verwendung von Flüssiggas; keine schlecht belüfteten Deckenbereiche bei Erdgas).

  • Lüftungsöffnungen so platzieren, dass austretendes Gas bei einer Leckage möglichst rasch verdünnt und abgeführt wird.

  • Keine unkontrollierten Verbindungen oder Öffnungen von Gasräumen zu Flucht- und Rettungswegen vorsehen, wenn dort durch austretendes Gas Gefährdungen entstehen könnten.

  • Bei nachträglichen Dämm-, Schallschutz- oder Brandschutzmaßnahmen (z. B. Verkleidungen von Leitungen oder Lüftungsöffnungen) sicherstellen, dass die Lüftungsfunktion erhalten bleibt und nicht beeinträchtigt wird.

Anforderungen an Abgasführung und Schornsteine

Brennstoffbetriebene Anlagen benötigen geeignete Abgassysteme (Schornsteine oder Abgasleitungen), um Verbrennungsprodukte sicher ins Freie abzuleiten. Im Folgenden sind gängige Abgassystem-Typen und deren Grundanforderungen dargestellt.

Grundtypen von Abgassystemen (Übersicht)- Folgende Typen von Abgasanlagen sind üblich:

Systemtyp

Kurzbeschreibung (Basis)

Typische Anwendung

Klassischer Schornstein

Vertikale Abgasführung mit natürlichem Auftrieb

Konventionelle Heizkessel, atmosphärische Gasgeräte

Gebläsegestützte Abgasführung

Abgasventilator unterstützt den Abtransport

Moderne Brennwertkessel, Gasbrenner mit Gebläse

Luft-Abgas-System (LAS)

Koaxialsystem für Verbrennungsluft und Abgasabführung

Raumluftunabhängige Wand- oder Dachgeräte

Abgas-Sammelsysteme

Mehrere Geräte an gemeinsamen Abgaswegen

Mehrfamilienhäuser, größere Gewerbeobjekte

Basisanforderungen an Abgasanlagen- Generell müssen Abgasanlagen folgende Kriterien erfüllen:

  • Dichtheit: Die Abgaswege müssen gegenüber dem Aufstellraum und anderen Gebäudebereichen dicht sein (keine Abgasaustritte ins Gebäude).

  • Strömungssicherheit: Es darf zu keinem gefährlichen Rückstau von Abgas kommen und im Aufstellraum kein unzulässig starker Unterdruck entstehen. Eine stabile Abluftströmung muss unter allen Betriebsbedingungen gewährleistet sein.

  • Materialbeständigkeit: Die Materialien der Abgasführung müssen den anfallenden Kondensaten, Temperaturen und Abgasbestandteilen dauerhaft standhalten (z. B. Verwendung korrosionsfester Werkstoffe bei Brennwerttechnik).

  • Austrittsbedingungen: Die Mündung der Abgasanlage (Schornsteinmündung oder Ausblasstelle) muss ausreichend hoch und günstig positioniert sein. Vorgeschriebene Mindestabstände zu Fenstern, Lüftungsöffnungen und Dachaufbauten sind einzuhalten, um einen Wiedereintritt von Abgas in das Gebäude auszuschließen.

Die Verbrennungsluftversorgung und Abgasabführung sind aufeinander abzustimmen:

  • Raumluftunabhängige Systeme: Verwendung kombinierter Luft-Abgas-Systeme, die Verbrennungsluft-Zufuhr und Abgasabführung als geschlossenes System nach draußen führen, ohne Raumluft zu entnehmen.

  • Raumluftabhängige Systeme: Abstimmung von Abgasanlage und Raumlüftung (bzw. vorhandenen Abluftanlagen), um gefährlichen Unterdruck im Aufstellraum zu vermeiden. Ggf. sind Sicherheitseinrichtungen (z. B. Differenzdruckwächter) vorzusehen, wenn im selben Raum Abluftventilatoren betrieben werden.

  • Mechanische Abluftanlagen berücksichtigen: Bestehende Abluftsysteme im Gebäude (z. B. Dunstabzugshauben, Lüftungsanlagen) müssen bei Planung und Betrieb der Gasfeuerstätte berücksichtigt werden, da sie die Druckverhältnisse beeinflussen können. Eine gegenseitige Beeinflussung – etwa das Ansaugen von Abgasen bei gleichzeitig betriebener Abluft – ist durch geeignete technische Maßnahmen zu verhindern.

Sicherheit, Überwachung und Systemverknüpfung

Für einen sicheren Betrieb von Gasanlagen müssen die Lüftungs- und Abgassysteme laufend überwacht und in die Sicherheitstechnik des Gebäudes eingebunden sein. Dabei sind typische Gefahrenpunkte zu beachten, entsprechende Überwachungseinrichtungen einzusetzen und Schnittstellen zur Gebäudeautomation zu schaffen.

Typische Gefahren im Kontext von Lüftung und Abgasführung sind:

  • Unzureichende Verbrennungsluftversorgung (Gefahr erhöhter Kohlenmonoxid-Bildung durch unvollständige Verbrennung).

  • Defekte oder verstopfte Abgasanlagen (Rückströmung von Abgas in Aufenthaltsbereiche).

  • Geänderte Druckverhältnisse durch zusätzliche Abluftanlagen oder eine stark abgedichtete Gebäudehülle (Gefahr von Unterdruck und Abgasrückströmung in den Aufstellraum).

  • Blockierte, verschlossene oder zugebaute Lüftungsöffnungen (durch unsachgemäße Nutzung oder Umbauten), sodass Lüftungsfunktionen eingeschränkt sind.

Um die genannten Gefahren zu minimieren, werden verschiedene Überwachungs- und Sicherheitssysteme eingesetzt:

Einrichtung/System

Funktion (Basis)

FM-Aufgabe

Strömungswächter

Überwacht den Abzug im Schornstein/Abgasrohr (zieht der Rauchabzug ausreichend?)

Funktionstest im Wartungsintervall; Auswertung von Störmeldungen

Differenzdrucküberwachung

Überwacht Druckverhältnisse (Raumdruck vs. Abgas-/Schornsteindruck)

Grenzwerte dokumentieren; Störmeldungen verfolgen

Gas- und CO-Warnmelder

Warnt frühzeitig bei Gasleckagen oder Kohlenmonoxid-Austritt

Wartungsintervalle organisieren; Funktionsprüfung regelmäßig durchführen

Verriegelungen/Abschaltungen

Schalten die Anlage bei gefährlichen Zuständen ab (z. B. Unterdruck, Ventilatorausfall)

Schnittstellen zur Gebäudeleittechnik pflegen; Abschaltfunktionen regelmäßig testen

Schnittstellen zu Brandschutz und Gebäudeautomation

Lüftungs- und Abgasanlagen müssen auch im Brandfall und im Zusammenspiel mit der Gebäudeleittechnik zuverlässig funktionieren.

Wichtige Schnittstellen sind:

  • Einbindung in die Brandschutzsteuerung: Ventilatoren, Klappen und gasführende Anlagen sollten in die Brandfallsteuerung integriert sein. Im Brandfall kann z. B. eine automatische Abschaltung der Gaszufuhr oder Lüftungsanlage erfolgen, oder bestimmte Klappen fahren in eine Sicherheitsstellung (Umschaltung), um Brandausbreitung zu verhindern.

  • Aufschaltung von Stör- und Alarmmeldungen: Wichtige Störungen und Alarme (etwa Abgas- oder Druckstörungen, Ventilatorausfall) sind in der Gebäudeleittechnik bzw. dem FM-Dashboard anzuzeigen. Dadurch hat das Facility Management jederzeit einen Überblick über den Status und kann im Ereignisfall schnell reagieren.

  • Abstimmung mit Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA): Die Lüftungs-/Abgasanlagen sind mit dem Rauchabzugskonzept abzustimmen, um negative Wechselwirkungen zu vermeiden. Beispielsweise darf eine RWA-Anlage im Brandfall keinen gefährlichen Einfluss auf die Abgasführung nehmen (und umgekehrt), etwa indem Rauch durch Abgaskanäle in andere Bereiche gezogen würde. Hierfür sind technische Vorkehrungen und eine klare Regelung der Steuerung notwendig.

Facility-Management-Aufgaben über den Lebenszyklus

Über die gesamte Lebensdauer einer Gasanlage hat das Facility Management diverse Aufgaben, um Lüftungs- und Abgassysteme sicher zu betreiben und instand zu halten. Diese Aufgaben erstrecken sich von klaren Zuständigkeiten über das Änderungsmanagement bis zur täglichen Betriebsorganisation.

Die Zuständigkeiten der beteiligten Akteure lassen sich wie folgt zuordnen:

Rolle/Funktion

Grundverantwortung im Kontext Lüftung/Abgas

Betreiber/Eigentümer

Gesamtverantwortung für einen sicheren, vorschriftsmäßigen Betrieb

Facility Manager

Organisation von Wartungen, wiederkehrenden Prüfungen und lückenloser Dokumentation

Fachplaner/Fachfirma

Fachgerechte Auslegung der Anlagen; Durchführung von Änderungen; Installation nach gültigen Regeln

Wartungsunternehmen

Regelmäßige Inspektionen, Funktionsprüfungen und Instandsetzungen gemäß Wartungsvertrag

Nutzer/Betreiber vor Ort

Keine Beeinträchtigung der Lüftung (z. B. Lüftungsöffnungen freihalten, keine Verkleidungen entfernen); Störungen und Auffälligkeiten umgehend melden

Bei baulichen oder betrieblichen Änderungen im Gebäude ist das Lüftungs-/Abgassystem stets mit zu betrachten:

  • Auswirkungsanalyse bei Umbauten: Vor jeder baulichen Veränderung (z. B. energetische Sanierung, Nutzungsänderung) muss geprüft werden, welche Auswirkungen auf die Verbrennungsluftversorgung, Lüftung und Abgasführung entstehen. Gegebenenfalls sind Fachplaner hinzuzuziehen.

  • Aktualisierung der Dokumentation: Nach Änderungen an Lüftungs- oder Abgasinstallationen sind die Bestandsunterlagen (Pläne, Schemata, Lüftungskonzepte, Abgasschemata) unverzüglich zu aktualisieren. Nur so ist sichergestellt, dass der aktuelle Anlagenzustand dokumentiert und für Prüfungen oder Störungsanalysen nachvollziehbar ist.

  • Einbindung in FM-Systeme: Lüftungs- und Abgasanlagen sollten im CAFM/CMMS-System des Facility Management erfasst werden. Dadurch lassen sich Wartungsfristen, Prüftermine und eventuelle Mängel systematisch verwalten und nachhalten.

Für den laufenden Betrieb der Gasanlagen und ihrer Lüftungs-/Abgassysteme gelten folgende organisatorische Grundsätze:

  • Checklisten für Betriebspersonal: Es sollten einfache, praxisnahe Checklisten für Hausmeister oder Betreiber vor Ort bereitgestellt werden. Diese umfassen z. B. die regelmäßige Kontrolle, ob Zuluft- und Abluftöffnungen frei sind, ob ungewöhnliche Gerüche oder Geräusche auftreten und ob keine offensichtlichen Schäden oder Manipulationen an Lüftungswegen vorliegen.

  • Regelmäßige Fachinspektionen: Neben den täglichen Kontrollen sind in vorgegebenen Intervallen fachkundige Inspektionen der Abgasanlagen und Lüftungseinrichtungen durchzuführen. Diese umfassen auch gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen (z. B. die Abgaswegeüberprüfung durch den Schornsteinfeger) sowie zusätzliche Wartungen durch zertifizierte Fachfirmen. Auffälligkeiten sind unmittelbar zu beheben.

  • Lückenlose Dokumentation: Sämtliche Prüfungen, festgestellte Mängel, Störungen und ergriffene Maßnahmen sind schriftlich bzw. digital zu dokumentieren. Diese Nachweise dienen gegenüber Behörden, Versicherern und im Rahmen interner Audits als Beleg für die ordnungsgemäße Erfüllung der Betreiberpflichten und ermöglichen es, im Schadensfall die ergriffenen Maßnahmen plausibel darzulegen.