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Entflammbarkeit & Explosionsgrenzen

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Entflammbarkeit & Explosionsgrenzen

Brennbarkeit und Explosionsgrenzen

In Anlagen, in denen Gase gespeichert, verteilt oder verwendet werden, ist das Verständnis von Brennbarkeits- und Explosionsgrenzen für einen sicheren und rechtskonformen Betrieb unerlässlich. Brennbarkeits- und Explosionsgrenzen beschreiben den Konzentrationsbereich eines Gases in Luft, innerhalb dessen eine Zündung zu Feuer oder Explosion führen kann. Für das Facility Management bilden diese Kenngrößen eine grundlegende Basis, um Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen, Gassysteme sachgerecht zu planen und zu betreiben, geeignete Detektions- und Sicherheitseinrichtungen auszuwählen und Notfallmaßnahmen vorzubereiten. Ein strukturiertes Verständnis dieser Konzepte ermöglicht es Facility Managern, systematisch gefährliche Atmosphären zu vermeiden, Zündquellen auszuschalten und sicherzustellen, dass Gebäude, technische Anlagen und Arbeitsprozesse sicher, effizient und gesetzeskonform bleiben.

Brennbarkeit und Explosionsgrenzen von Gasen

Grundlegende Definitionen

  • Brennbarkeit von Gasen und Dämpfen: Fähigkeit von Gasen oder freigesetzten Dämpfen, sich bei Anwesenheit von ausreichend Sauerstoff und einer Zündquelle zu entzünden und zu verbrennen.

  • Verbrennung vs. Explosion: Eine Verbrennung ist eine kontrollierte Oxidationsreaktion mit Wärmefreisetzung (z. B. eine Gasflamme im Brenner). Dagegen bezeichnet man als Explosion eine sehr schnell ablaufende Verbrennung mit plötzlichem Druckanstieg. Eine Explosion (z. B. in Form einer Verpuffung/Deflagration) breitet sich unkontrolliert aus, erzeugt Druckwellen und kann erhebliche Schäden verursachen.

  • Explosionsfähige Atmosphäre: Ein Gemisch aus Luft und brennbaren Stoffen (Gas, Dampf, Nebel oder Staub) in einem solchen Verhältnis, dass es durch eine Zündquelle zur Explosion gebracht werden kann. Nur innerhalb bestimmter Konzentrationsgrenzen ist die Atmosphäre explosionsfähig; außerhalb dieser Grenzen (zu wenig oder zu viel Brennstoff) tritt keine Explosion ein.

Explosionsgrenzen (UEG/OEG)

  • Untere Explosionsgrenze (UEG): Niedrigste Konzentration eines brennbaren Gases oder Dampfes in Luft, bei der eine Zündung gerade noch eine selbstständig fortlaufende Verbrennung (Explosion) auslöst. Unterhalb dieser Konzentration ist das Gemisch zu "mager" (zu brennstoffarm), um zu explodieren.

  • Obere Explosionsgrenze (OEG): Höchste Konzentration des Brennstoffs in Luft, bei der eine Explosion noch auftreten kann. Oberhalb dieser Konzentration ist das Gemisch zu "fett" (brennstoffübersättigt, Sauerstoffmangel), sodass eine Zündung keine Explosion bewirkt – zumindest so lange nicht, bis durch zusätzliche Luftzufuhr die Konzentration wieder in den explosiven Bereich absinkt.

  • Explosionsbereich (Brennbarkeitsbereich): Der Konzentrationsbereich zwischen UEG und OEG, in dem ein entzündetes Gas-Luft-Gemisch explosiv verbrennen kann. Innerhalb dieses Bereichs liegt eine explosionsfähige Atmosphäre vor, die bei Vorhandensein einer Zündquelle zu einer Explosion führen kann.

Weitere wichtige Kenngrößen (grundlegend)

  • Flammpunkt: Die niedrigste Temperatur, bei der eine brennbare Flüssigkeit unter definierten Bedingungen genügend Dämpfe abgibt, um mit Luft ein zündfähiges Gemisch zu bilden. Am Flammpunkt kann die Dampfphase durch eine Zündquelle entzündet werden (Flammenbildung tritt auf).

  • Zündtemperatur (Selbstentzündungstemperatur): Die Temperatur, bei der sich ein brennbarer Stoff ohne externe Zündquelle von selbst entzündet. Überschreitet z. B. eine heiße Oberfläche diese Temperatur, kann der ausgetretene brennbare Stoff (Gas/Dampf) spontan entflammen.

Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über wichtige Kenngrößen sowie deren Beschreibung und typischen Stellenwert im Facility Management:

Parameter

Kurzbeschreibung

Typische Relevanz im Facility Management

UEG (Untere Explosionsgrenze)

Niedrigste Gas-Konzentration in Luft, die bei Zündung eine Explosion auslösen kann.

Grundlage für Alarmschwellen bei Gaswarnanlagen (z. B. Voralarm bei 20 % UEG); Einflussgröße für Lüftungssteuerung und Einteilung von explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Zonen).

OEG (Obere Explosionsgrenze)

Höchste Gas-Konzentration in Luft, bei der eine Explosion noch möglich ist.

Wird bei der Bewertung geschlossener Räume und Gasansammlungen berücksichtigt; oberhalb der OEG besteht zunächst keine Explosionsgefahr – jedoch kann z. B. beim Lüften die Konzentration durch den Explosionsbereich sinken und Gefahr verursachen.

Explosionsbereich (zwischen UEG und OEG)

Konzentrationsbereich, in dem ein Gas-Luft-Gemisch entzündbar ist und bei Zündung explodieren kann.

Wesentliche Grundlage für Gefährdungsbeurteilungen; definiert den "gefährlichen" Bereich, den es im Betrieb zu vermeiden gilt (Konzentrationen im Normalbetrieb möglichst unterhalb der UEG halten oder durch Inertisierung oberhalb der OEG sichern).

Flammpunkt

Niedrigste Temperatur, bei der eine Flüssigkeit entzündbare Dämpfe bildet.

Bestimmt Lager- und Handhabungsbedingungen für brennbare Flüssigkeiten (z. B. Anforderungen an belüftete Lagerschränke, Kühlhaltung); wichtig für Temperaturgrenzwerte in Räumen, um gefährliche Dampf-Luft-Gemische zu vermeiden.

Zündtemperatur

Temperatur, bei der sich ein Stoff ohne Zündquelle von selbst entzündet.

Wichtig für die Auswahl von Betriebsmitteln (maximal zulässige Oberflächentemperaturen von Geräten in Ex-Bereichen); bei Heißarbeiten (Schweißen, Schleifen) zu beachten, um Selbstentzündungen auszuschließen.

Sauerstoffkonzentration

Anteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre, der für Verbrennung zur Verfügung steht.

Maßgeblich für Inertisierungsmaßnahmen (Absenken des O₂-Gehalts, um Explosionen zu verhindern); relevant bei Arbeiten in engen Räumen (Bewertung von Explosionsgefahr und Atemluft-Sicherheit für Personal).

Gewöhnliche Brenngase

Erdgas, Flüssiggas (Propan/Butan) und Biogas zählen zu den häufig eingesetzten Brenngasen in Einrichtungen. Sie dienen als Energiequellen für Heizkessel, Kochanlagen (z. B. in Großküchen) oder für industrielle Prozesse. Jedes dieser Gase weist charakteristische Explosionsgrenzen und Verbrennungseigenschaften auf. Erdgas (hauptsächlich Methan) hat beispielsweise eine UEG von ca. 4,4 Vol.-% und eine OEG von ca. 17 Vol.-% in Luft, während Propan bereits bei ungefähr 2,1 Vol.-% ein zündfähiges Gemisch bildet und bis etwa 9,5 Vol.-% explosiv bleibt. Solche Unterschiede beeinflussen das Gefährdungspotential der einzelnen Gase und erfordern jeweils angepasste Sicherheitsvorkehrungen.

Brennbare Dämpfe aus Flüssigkeiten

Brennbare Flüssigkeiten wie Lösungsmittel, Treibstoffe oder bestimmte Reinigungsmittel können Dämpfe abgeben, die mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden. Hierbei sind Lagerbedingungen und Umgebungstemperatur kritische Faktoren. Liegt die Umgebungstemperatur über dem Flammpunkt der Flüssigkeit, verdunstet sie verstärkt und kann leicht eine zündfähige Atmosphäre erzeugen. Deshalb müssen solche Flüssigkeiten in dicht verschlossenen Behältern und möglichst kühl sowie gut belüftet gelagert werden. Offene Behälter oder unzureichende Lüftung können dazu führen, dass sich Dampf-Luft-Gemische innerhalb des Explosionsbereichs ansammeln.

Andere Gase im Einrichtungsbetrieb

In vielen Einrichtungen kommen zudem technische Gase zum Einsatz, die nicht primär als Brennstoff dienen. Beispiele sind Wasserstoff (etwa in Laboranwendungen), Acetylen (als Schweißgas in Werkstätten) oder Sauerstoff (in medizinischen Bereichen oder technischen Prozessen). Hier ist zu unterscheiden zwischen nicht brennbaren (inerten) Gasen wie Stickstoff oder Kohlendioxid, brennbaren Gasen wie Acetylen oder Wasserstoff, und oxidierenden Gasen (brandfördernd) wie reinem Sauerstoff.

Der sichere Umgang richtet sich nach dieser Einteilung: Inerte Gase bilden keine explosionsfähige Atmosphäre, können jedoch bei Leckagen den Sauerstoff verdrängen (Erstickungsgefahr). Brennbare Prozessgase müssen hinsichtlich Explosionsschutz ähnlich behandelt werden wie die in Abschnitt 4.1 genannten Brenngase. Oxidierende Gase erhöhen das Brand- und Explosionsrisiko, da in sauerstoffangereicherter Umgebung selbst schwer entflammbare Materialien leichter brennen. Insbesondere Wasserstoff verdient besondere Vorsicht, da er einen sehr weiten Explosionsbereich (ca. 4–75 Vol.-% in Luft) aufweist und daher spezielle Sicherheitsvorkehrungen erfordert (z. B. empfindliche Gasdetektoren, kontrollierte Entlüftung, explosionsgeschützte Geräte).

Konzentration und Durchmischung

Die entstehende Gas- bzw. Dampfkonzentration hängt wesentlich von der Austrittsmenge, -dauer und dem Austragort ab. Ein plötzliches großes Leck kann kurzfristig eine hohe Konzentration in der Umgebung erzeugen. Ebenso wichtig ist die Durchmischung mit Luft: Leichte Gase mit geringerer Dichte als Luft (z. B. Methan/Erdgas) steigen nach oben und sammeln sich bevorzugt unter der Decke, während schwerere Gase (z. B. Propan) absinken und sich am Boden oder in Vertiefungen ansammeln können. Ohne Luftbewegung kann es zu Konzentrationsschichtungen im Raum kommen (oben vs. unten unterschiedliche Gasgehalte). Eine wirksame Belüftung fördert die gleichmäßige Vermischung und verdünnt austretendes Gas, sodass die Konzentration unter die Explosionsgrenzen gedrückt wird.

Umgebungsbedingungen

Temperatur und Druck der Umgebung beeinflussen die Entzündlichkeit von Stoffen. Bei höherer Temperatur tendieren Brennstoffe dazu, leichter zündfähig zu sein – die UEG sinkt tendenziell, die OEG steigt. Zudem verdampfen brennbare Flüssigkeiten bei Wärme stärker, was die Konzentration an Brennstoff in der Luft erhöht. Umgekehrt verringert Kälte die Verdunstung und erschwert die Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre. Moderate Druckänderungen (im Bereich weniger bar) haben auf die Explosionsgrenzen meist keinen drastischen Effekt, doch ein höherer Druck kann dazu führen, dass im Leckfall größere Gasmengen schlagartig freigesetzt werden. Entscheidend ist auch die Belüftung: Eine gute Lüftung (hoher Luftwechsel) reduziert die Konzentration brennbarer Gase und Dämpfe, noch bevor sie die UEG erreichen. In gut belüfteten Räumen werden ausgetretene Gase schnell verdünnt und ins Freie abgeführt. Hingegen kann unzureichende Lüftung oder stehende Luft dazu führen, dass sich Gaskonzentrationen gefährlich anreichern. Daher sind in gefährdeten Bereichen technische Lüftungsanlagen oder natürliche Lüftungsöffnungen wichtig, um explosionsfähige Atmosphären zu verhindern.

Typische Zündquellen im Facility-Bereich sind unter anderem:

  • Elektrische Anlagen und Geräte (Funkenbildung an Schaltern, Relais; nicht Ex-geschützte Betriebsmittel).

  • Heiße Oberflächen und offenes Feuer (heiße Motoren, Lampen, Heizgeräte oder Flammen können Zündtemperaturen überschreiten).

  • Statische Elektrizität (Entladung von statischer Aufladung, z. B. an Kunststoffbehältern oder Personen).

  • Schweiß-, Schneid- und Schleifarbeiten (Erzeugen von offenen Flammen oder Funkenflug).

  • Mechanisch erzeugte Funken (z. B. Funken durch Schlag oder Reibung an Metallteilen).

In Bereichen, in denen eine explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann, müssen solche Zündquellen konsequent ausgeschlossen oder streng kontrolliert werden. Dies umfasst z. B. den Einsatz explosionsgeschützter (ATEX-konformer) Geräte, das Ableiten statischer Aufladungen durch Erdung, sowie ein striktes Erlaubnisschein-Verfahren für jegliche Heißarbeiten.

Aspekte von Gebäude- und Anlagendesign

Die bauliche Ausführung von Räumen und Anlagen beeinflusst das Explosionsrisiko maßgeblich. Große Raumvolumina und hohe Decken begünstigen eine Verdünnung freigesetzter Gase, da sich das Gas in einer größeren Luftmenge verteilt. Kleine, geschlossene oder verwinkelte Räume ermöglichen hingegen ein rasches Ansteigen der Gaskonzentration auf gefährliche Werte. Zudem stellen Bodensenken, Schächte oder Gruben besondere Gefahrenpunkte dar, da schwerere Gase dort hineinfließen und sich unbemerkt ansammeln können.

Bei der Planung wird darauf geachtet, gasführende Anlagenteile so anzuordnen, dass austretendes Gas ungefährlich abgeführt wird. Beispielsweise werden Absperrventile und Druckentlastungseinrichtungen bevorzugt im Freien oder in gut belüfteten Bereichen installiert, damit sich Leckagen nicht in Aufenthaltsräumen konzentrieren. Brennstofflager (z. B. Gasflaschen oder -tanks) werden möglichst außerhalb von Gebäuden oder in separaten, belüfteten Räumen untergebracht. Zusätzlich werden konstruktive Sicherheitsmaßnahmen eingeplant: etwa Lüftungsöffnungen an strategischen Stellen (für leichte Gase nahe der Decke, für schwere Gase bodennah), die im Leckfall Gase nach außen ableiten. In explosionsgefährdeten Bereichen können auch druckentlastende Bauelemente (z. B. Sollbruchflächen oder Entlüftungsklappen) vorgesehen werden, um im Ereignisfall den Überdruck kontrolliert abzubauen. All diese Designaspekte zielen darauf ab, die Bildung gefährlicher Gas-Luft-Gemische innerhalb von Gebäuden zu verhindern und eventuelle Freisetzungen sicher zu beherrschen.