LPG (Flüssiggas)
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Flüssiggas (LPG)
Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG) im Facility Management – Eigenschaften, Anwendungen und Sicherheitsanforderungen
Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG) wird in gewerblichen, privaten und industriellen Einrichtungen weit verbreitet als Energieträger eingesetzt. Es zeichnet sich durch einen hohen Energiegehalt, flexible Lagerungsmöglichkeiten (Tank oder Flaschen) und eine vergleichsweise saubere Verbrennung aus. Gerade an Standorten ohne Erdgasanschluss oder bei mobilen Anwendungen bietet Flüssiggas eine zuverlässige Versorgung für Wärme und Prozessenergie.
Im Facility Management muss Flüssiggas jedoch als gefährliches Medium betrachtet werden, das einer strukturierten Planung, kontrollierten Betriebsführung und klar definierten Sicherheitsmaßnahmen bedarf. Als brennbares Gas kann es bei unsachgemäßem Umgang erhebliche Risiken bergen. Dieser Leitfaden gibt einen grundlegenden Überblick zu Flüssiggas als Gasart und erläutert dessen wichtigste Eigenschaften, gängige Anwendungsfelder, erforderliche FM-Infrastruktur sowie die zentralen Sicherheits- und Betriebsaspekte für den Umgang mit Flüssiggas in Gebäuden.
Flüssiggas (LPG) – Eigenschaften und Einsatz
- Grundlegende Eigenschaften von Flüssiggas als Gasart
- Wichtige physikalische und chemische Eigenschaften
- Allgemeines Verhalten in Gebäuden
- Typische Anwendungen von Flüssiggas in Einrichtungen
- Grundlegende LPG-Infrastruktur in Einrichtungen
- Grundlegende Sicherheits- und Risikoaspekte
- Betriebliches Management von Flüssiggas im FM
Zusammensetzung und allgemeine Beschreibung
Flüssiggas besteht im Wesentlichen aus Propan (C₃H₈) und Butan (C₄H₁₀) oder einem Gemisch dieser Gase. Bei normaler Umgebungstemperatur gehen Propan und Butan bereits unter relativ geringem Druck (ca. 5–8 bar) in den flüssigen Zustand über. Dadurch lässt sich LPG in Druckbehältern flüssig lagern und transportieren – mit einer starken Volumenreduktion (flüssiges Propan hat etwa 1/260 des gasförmigen Volumens). Am Verbrauchsort wird das flüssige Gas entspannt und verdampft dabei zu Brenngas, das an die Geräte geleitet wird. Flüssiggas ist von Natur aus geruchslos und wird zur Sicherheit mit einem Warngeruchsstoff (Odorierung) versehen, um Leckagen leicht feststellen zu können.
Die wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften von Flüssiggas und ihre Bedeutung im FM sind in folgender Tabelle zusammengefasst:
| Eigenschaft | Flüssiggas (Allgemein) | Relevanz im FM |
|---|---|---|
| Aggregatzustand | Unter Druck flüssig, bei Entspannung gasförmig | Bestimmt Lagerform und erfordert Druckregelung |
| Gasdichte | Schwerer als Luft | Sammelt sich in Bodennähe; Lüftung und Aufstellort entsprechend planen |
| Energiegehalt | Hoch | Ermöglicht kompakte Vorratshaltung und effektive Beheizung |
| Odorierung | Mit Geruchsstoff versetzt | Leckagen können durch Geruchswahrnehmung erkannt werden |
| Entzündbarkeit | Sehr leicht entzündlich | Erfordert Sicherheitsabstände und strikte Zündquellenkontrolle |
| Druckverhalten (Temperatur) | Starker Dampfdruckanstieg bei Wärme | Beeinflusst Tankaufstellung (z.B. nicht in praller Sonne) und erfordert Sicherheitseinrichtungen (Überdruckventil) |
Allgemeines Verhalten in Gebäuden
Flüssiggas, das aus einer Leckage austritt, breitet sich wegen seiner höheren Dichte tendenziell nach unten aus. Es kann sich in tiefliegenden Räumen wie Kellern, Gruben oder Schächten am Boden ansammeln. Dadurch besteht in solchen Bereichen akute Explosionsgefahr, wenn das Gas nicht ausreichend abgeführt wird.
In der Planung von Flüssiggas-Anlagen wird diesem Verhalten Rechnung getragen: Tanks und Gasflaschen dürfen nicht in Räumen unter Erdgleiche aufgestellt werden, und Gasleitungen sind so zu verlegen, dass ausgetretenes Gas sich nicht unkontrolliert in Senken sammeln kann. Ebenso müssen Lüftungsöffnungen möglichst bodennah vorgesehen werden, um ggf. austretendes Gas nach außen abzuführen.
Übliche Verwendungszwecke
Gewerbliche Küchen und Lebensmittelzubereitungsbereiche (Kochen mit Gas in Restaurants, Kantinen)
Heizsysteme in Gebäuden (Heizkessel, Warmlufterzeuger, Warmwasserbereiter)
Industrielle Brenner und Prozesswärme (z.B. in Werkstätten oder kleineren Produktionsanlagen)
Reserve- oder Ersatzbrennstoff an Standorten ohne Erdgasversorgung (zur Überbrückung oder als Hauptenergiequelle)
Beispielanwendungen nach Einrichtungstyp
| Einrichtungstyp | Typische Flüssiggas-Nutzung | FM-Schwerpunkt (Basis) |
|---|---|---|
| Bürogebäude / Mischnutzung | Küchen (Teeküchen, Kantinen) | Kontrolle der Geräte, Aufmerksamkeit auf mögliche Leckagen |
| Hotels / Gastgewerbe | Küchen, Wäscherei (Warmwassererzeugung) | Ständige Überwachung der Anlage, Schulung des Personals |
| Kleinindustrie / Gewerbebetriebe | Prozesswärme (Brenner), Hallenheizung | Sichere Lagerung, Kennzeichnung von Gefahrenbereichen |
| Abgelegene Standorte (ohne Gasnetz) | Hauptenergiequelle (Heizung, ggf. Strom) | Versorgungsplanung (Lieferungen) und regelmäßige Tankwartung |
Lagersysteme
Oberirdische Tanks: Druckbehälter, die im Freien aufgestellt werden. Sie sind mit Sicherheitsabständen zu Gebäuden und Grundstücksgrenzen zu platzieren und vor unbefugtem Zugriff zu sichern. Eine gute Zugänglichkeit für Tankwagen zum Befüllen muss gewährleistet sein. Oberirdische Tanks verfügen über Sicherheitseinrichtungen wie Überdruckventile, Füllstandsanzeigen und Absperrarmaturen und werden oft mit hellem Anstrich versehen, um Erwärmung durch Sonnenlicht zu reduzieren.
Unterirdische Tanks: Im Erdreich verlegte Flüssiggas-Tanks, die aus Platz- oder Sicherheitsgründen eingesetzt werden. Sie liegen vollständig unter der Erde; lediglich ein Domschacht mit Armaturen (Ventile, Füllanschluss, Sicherheitsventil) bleibt zugänglich. Der Domschacht muss belüftet sein, damit austretendes Gas nicht in Hohlräumen stehen bleibt. Unterirdische Tanks benötigen einen Korrosionsschutz (z.B. kathodischer Schutz) und ihre Position ist deutlich zu markieren, um Beschädigungen (z.B. bei Erdarbeiten) zu vermeiden.
Gasflaschenlager: Lagerung von Flüssiggasflaschen (Propan/Butan) in ausgewiesenen, gut belüfteten Bereichen. Flaschen werden idealerweise im Freien oder in belüfteten Gasschränken über Erdgleiche gelagert, stets aufrecht und gegen Umfallen gesichert. Sie sind vor direkter Hitzeeinwirkung zu schützen. Der Lagerbereich ist mit Warnhinweisen (z.B. "Feuer, Funken und Rauchen verboten") zu kennzeichnen und für Unbefugte unzugänglich zu halten. Eine Lagerung in Kellerräumen oder auf Fluchtwegen ist unzulässig.
Verteilung und Steuerungskomponenten
Die Verteilung des Flüssiggases erfolgt über ein System von Rohrleitungen und Regelorganen vom Lagerbehälter bis zu den Verbrauchsgeräten. Direkt am Tank oder am Flaschenventil befindet sich ein Hauptdruckregler, der den hohen Lagerdruck auf einen gebrauchsfähigen Betriebsdruck reduziert. Häufig kommt ein zweistufiges Regelsystem zum Einsatz: ein erster Regler am Behälter und ein zweiter in der Gebäudeinstallation, um den Druck auf z.B. 50 mbar für die Endgeräte einzustellen.
Entlang der Leitung sind an strategisch wichtigen Stellen Absperrventile angebracht (z.B. am Tanksausgang, vor dem Eintritt ins Gebäude und vor jedem größeren Gasgerät). Diese ermöglichen es, im Wartungs- oder Notfall die Gaszufuhr abschnittsweise zu unterbrechen. Die Rohrleitungen selbst bestehen meist aus Stahl oder Kupfer, sind fest verlegt und müssen gemäß Kennzeichnungspflichten als Gasleitungen erkennbar sein.
Schnittstelle zu Verbrauchsgeräten
Die Schnittstelle zu den Endgeräten (z.B. Heizkessel, Gasherde) umfasst die Anschlüsse und Sicherheitseinrichtungen direkt an diesen Geräten. Es ist sicherzustellen, dass zugelassene Verbindungselemente (etwa Hochdruckschlauchleitungen oder starre Rohranschlüsse) fachgerecht installiert sind. Alle gasführenden Teile und Absperreinrichtungen sollten deutlich gekennzeichnet sein, damit sie im Bedarfsfall schnell identifiziert werden können. Die Geräte selbst müssen den geltenden Normen entsprechen und sind bestimmungsgemäß zu bedienen (z.B. nur bei ausreichender Lüftung betreiben, vorhandene Flammenüberwachung nutzen). Im Rahmen regelmäßiger Rundgänge des Facility Managements sollten die angeschlossenen Geräte und Leitungsverbindungen auf sichtbare Mängel, Dichtheit und ordnungsgemäße Funktion überprüft werden.
Grundlegende Gefahren
Brand- oder Explosionsgefahr durch Bildung zündfähiger Gas-Luft-Gemische.
Ansammlung des Gases in tief liegenden Räumen (Keller, Gruben) durch seine höhere Dichte; dadurch erhöhte Explosionsgefahr in diesen Bereichen. (Regelwerke untersagen daher die Aufstellung von Flüssiggasbehältern unter Erdgleiche.)
Erstickungsgefahr in schlecht belüfteten Räumen durch Verdrängung des Luftsauerstoffs (Sauerstoffmangel kann zu Bewusstlosigkeit führen).
Risiko von Beschädigungen oder Leckagen bei unsachgemäßer Handhabung oder eigenmächtigen Änderungen an der Anlage.
Zentrale Schutzmaßnahmen
Ausreichende Lüftung in allen Bereichen, in denen mit Flüssiggas umgegangen wird (besonders bodennahe Lüftungsöffnungen, da Propan/Butan schwerer als Luft sind).
Sicherheitsabstände zu Zündquellen und Hitzequellen einhalten (kein offenes Feuer oder Funken in der Nähe von Flüssiggas-Anlagen; Tanks vor direkter Sonneneinstrahlung oder anderen Wärmequellen schützen).
Installation und Wartung nur durch Fachpersonal bzw. zertifizierte Fachbetriebe (keine Eigenmontage; Einhaltung der technischen Regeln wie TRF sicherstellen).
Klare Kennzeichnung und Zugangsbeschränkung für Lager- und Technikbereiche (Warnschilder wie "Kein offenes Feuer/Rauchen", Markierung von Gasleitungen, unbefugten Zutritt verhindern).
Grundlegende Notfallmaßnahmen
Gut gekennzeichnete und leicht zugängliche Notabsperrventile, um im Ernstfall die Gaszufuhr sofort unterbrechen zu können.
Passende Feuerlösch-Einrichtungen in allen Bereichen mit Flüssiggas (geeignete Löschmittel für Gasbrände, z.B. ABC-Pulverlöscher für Brandklasse C).
Klare Anweisungen für das Verhalten bei Gasgeruch oder Gasaustritt (sofortige Meldung an zuständiges Personal bzw. Feuerwehr, keine Funken oder Flammen erzeugen, Lüften – falls gefahrlos möglich).
Definierte Flucht- und Rettungswege für den Evakuierungsfall; regelmäßige Unterweisungen der Mitarbeiter über Notfallprozedere bei Gasvorfällen.
Rollen und Zuständigkeiten
| Rolle/Funktion | Zuständigkeit (Basis) |
|---|---|
| Anlagenbetreiber (Eigentümer) | Verantwortlich für sicheren, vorschriftsgemäßen Betrieb der Flüssiggas-Anlage |
| Facility Manager | Koordiniert turnusmäßige Inspektionen, Wartungen und die Dokumentation |
| Flüssiggas-Lieferant / Servicefirma | Beliefert die Einrichtung mit Flüssiggas und führt bei der Befüllung grundlegende Sicherheitsüberprüfungen durch |
| Wartungsfachfirma | Nimmt die regelmäßige Wartung der Flüssiggas-Anlage und angeschlossener Geräte vor |
| Nutzer / Beschäftigte | Betreiben die Gasgeräte sachgemäß und melden Unregelmäßigkeiten oder Leckageverdacht umgehend |
Regelbetrieb und Inspektionen
Regelmäßige Sichtkontrollen (täglich/wöchentlich): Betriebspersonal (z.B. Haustechnik) führt Routinekontrollen auf augenscheinliche Auffälligkeiten durch. Dazu gehören das Prüfen auf Gasgeruch in der Umgebung der Anlage, die Kontrolle von Füllstandsanzeigen und Druckmessern sowie die Überprüfung, dass Lüftungsöffnungen frei sind. Auffälligkeiten werden sofort gemeldet.
Planmäßige Inspektionen und Wartungen: In festgelegten Intervallen (z.B. jährlich) werden Flüssiggas-Anlagen von einer Fachfirma oder einem Sachverständigen geprüft. Hierbei erfolgen Dichtheitsprüfungen der Leitungen, Funktionsprüfungen der Regler und Sicherheitseinrichtungen sowie ggf. die behördlich vorgeschriebene Druckbehälterprüfung am Tank (nach BetrSichV). Alle Ergebnisse werden in Prüfprotokollen dokumentiert.
Checklisten-gestützte Überwachung: Das Facility Management setzt einfache Checklisten ein, um die regelmäßigen Kontrollen systematisch zu erfassen. Alle relevanten Prüfpunkte (z.B. Ventilstellungen, Anzeigewerte, kein auffälliger Geruch) werden dabei abgehakt. Abweichungen oder Mängel werden dokumentiert und führen zu entsprechenden Wartungsmaßnahmen.
Änderungen und Modifikationen
Jegliche Erweiterung oder Veränderung an der Flüssiggas-Anlage darf nur nach vorheriger Freigabe durch eine fachkundige Stelle erfolgen. Alle Änderungen sind lückenlos zu dokumentieren, in den technischen Unterlagen (Plänen, Schemata) nachzuführen und die Kennzeichnungen (z.B. Beschilderung von Leitungen oder Armaturen) entsprechend anzupassen. Unautorisierte Eingriffe durch nicht befugtes Personal sind zu unterbinden, da sie erhebliche Sicherheitsrisiken bergen. Nach wesentlichen Änderungen sollte vor Wiederinbetriebnahme eine Abnahme bzw. Prüfung durch einen Sachkundigen erfolgen, um die Sicherheit der modifizierten Anlage zu bestätigen.