Überhitzung oder direkte Sonneneinstrahlung auf Tanks vermeiden
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Überhitzung oder direkte Sonneneinstrahlung auf Tanks vermeiden in Gassystemen
In Gassystemen von Gebäuden und technischen Anlagen sind Gastanks und Druckbehälter besonders empfindlich gegenüber Temperatureinflüssen und direkter Sonneneinstrahlung. Eine übermäßige Wärmezufuhr kann zu erhöhtem Gasdruck im Inneren, verstärkter Materialbeanspruchung und Beeinträchtigung von Sicherheitseinrichtungen führen. Dadurch steigen sowohl betriebliche als auch sicherheitstechnische Risiken erheblich. Aus Sicht des Facility Managements stellt das Vermeiden von Überhitzung und direkter Sonneneinstrahlung auf Gastanks eine grundlegende vorbeugende Maßnahme dar, um sichere Betriebsbedingungen zu gewährleisten, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und die langfristige Integrität der Anlage zu sichern.
Überhitzung und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden
- Ziel und sicherheitsrelevante Bedeutung
- Betroffene Anlagenteile und Einsatzbereiche
- Grundprinzipien zur Vermeidung von Wärmebelastung
- Typische Schutzmaßnahmen und bauliche Lösungen
- Organisatorische Anforderungen im Facility Management
- Kontrolle und präventive Überwachung
- Schulung und Sensibilisierung
- Integration in Sicherheitsunterweisungen
Einfluss von Temperatur auf Gasdruck und Behälterverhalten
Mit steigender Temperatur erhöht sich der Druck in geschlossenen Gasbehältern. Dieses physikalische Prinzip (z.B. Gasgesetze bzw. Dampfdruck bei Flüssiggasen) bewirkt, dass sich bei Wärmeeinwirkung mehr Gas aus der flüssigen in die gasförmige Phase bewegt oder die kinetische Energie komprimierter Gase zunimmt. Die Folge sind höhere Innendrücke, die direkt auf die Behälterwandungen wirken. Auch Materialien dehnen sich bei Wärme aus, wodurch Dichtungen und Verbindungen zusätzlichen Spannungen ausgesetzt werden. Insgesamt führt ein Temperaturanstieg somit zu einer deutlichen Beanspruchung des Tanks und kann dessen normales Betriebsverhalten beeinflussen.
Risiken durch Überhitzung und unkontrollierte Druckanstiege
Eine Überhitzung von Gastanks kann diverse Gefahren nach sich ziehen. Unkontrollierte Druckanstiege können Sicherheitsventile auslösen und gezielt Gas abblasen lassen. Obwohl dies als Schutzmechanismus vorgesehen ist, besteht dabei erhöhte Gefahr: Austretendes brennbares Gas kann bei Zündquellen in der Nähe zu Brand oder Explosion führen; austretendes Inertgas kann Räume verdrängen und zu Erstickungsgefahr führen. In extremen Fällen – etwa wenn kein funktionsfähiges Ventil vorhanden ist oder dieses versagt – droht ein Bersten des Behälters. Hohe Temperaturen können zudem Dichtungen und Kunststoffkomponenten schädigen, was Leckagen begünstigt. Auch die Wirksamkeit von Sicherheitseinrichtungen (z.B. Sensoren oder Absperreinrichtungen) kann durch übermäßige Hitze beeinträchtigt werden. Insgesamt führt Überhitzung zu einem Verlust an Sicherheitsreserven und erhöht das Unfallrisiko signifikant.
Bedeutung für Betriebssicherheit und Anlagenschutz
Die Vermeidung von Überhitzung ist für die Betriebssicherheit und den Anlagenschutz von zentraler Bedeutung. Zum einen verlangen die einschlägigen Vorschriften und technischen Regeln (z.B. Betriebssicherheitsverordnung und Technische Regeln für Gefahrstoffe wie TRGS 510) vom Betreiber, Druckbehälter nur innerhalb sicherer Temperaturgrenzen zu betreiben. Beispielsweise sollen Druckgasbehälter vor übermäßiger Wärmeeinwirkung geschützt werden (in der Praxis werden ~65 °C als Obergrenze betrachtet).
Darüber hinaus empfehlen Fachorganisationen (etwa der Industriegaseverband) und Hersteller, Lager- und Betriebstemperaturen möglichst unter 50 °C zu halten, um einen zusätzlichen Sicherheitspuffer zu gewähren. Zum anderen trägt ein kontrolliertes Temperaturmanagement dazu bei, die Lebensdauer von Tanks und Armaturen zu verlängern und ungeplante Anlagenstillstände zu vermeiden. Für das Facility Management bedeutet dies, dass der Schutz von Gastanks vor Hitze ein essentielles Schutzziel ist, um Personen, Sachwerte und Betriebsabläufe zu bewahren.
Stationäre Gastanks und Druckbehälter
Stationäre Gastanks (z.B. oberirdische Flüssiggastanks oder ortsfeste Druckbehälter für technische Gase) sind typischerweise festen Aufstellorten zugewiesen und oft der Witterung ausgesetzt. Sie verfügen zwar über konstruktive Schutzmaßnahmen (etwa hellen, reflektierenden Anstrich und Sicherheitsventile), dennoch müssen im Betrieb Überhitzungen vermieden werden. Gerade bei großen Lagermengen kann ein starker Temperaturanstieg gravierende Folgen haben, da große Gasmengen im Falle eines Druckabbaus freigesetzt würden.
Stationäre Tanks sind häufig im Freien aufgestellt; hier müssen Standortfaktoren wie Sonneneinstrahlung über den Tagesverlauf, fehlender Schatten und umliegende Hitzequellen berücksichtigt werden. Auch stationäre Druckbehälter in Innenräumen (z.B. Druckluftkessel in Technikzentralen) unterliegen dieser Problematik, wenn die Räume unzureichend belüftet oder beheizt sind. Das Facility Management muss daher alle ortsfesten Gasbehälter hinsichtlich ihrer Umgebungstemperaturen überwachen und durch geeignete Auslegung und Maßnahmen vor Überwärmung schützen.
Gasflaschen in Innen- und Außenbereichen
Ortsbewegliche Gasflaschen (etwa Druckgasflaschen für Propan, Sauerstoff, CO₂ usw.) werden in vielen Einrichtungen verwendet und gelagert – sowohl im Inneren von Gebäuden als auch im Freien. In Innenbereichen wie Werkstätten oder Laboren dürfen Gasflaschen keinesfalls neben Heizquellen oder in direkter Sonne (z.B. hinter Fensterfronten) gelagert werden. Hier sind oft spezielle Gasflaschenschränke mit Lüftungsöffnungen oder klimatisierte Lagerräume vorgeschrieben, die eine Überhitzung verhindern. Im Außenbereich sollten Flaschen möglichst an schattigen, gut belüfteten Plätzen stehen. Eine kurzzeitige Sonnenexposition (z.B. während des Betriebs eines Gasgrills oder Baugeräts) ist in der Regel unkritisch, jedoch ist eine längerfristige Lagerung in praller Sonne zu vermeiden. Gasflaschenlager im Freien werden idealerweise überdacht oder durch Schutzvorrichtungen wie Witterungsschutzhauben abgeschattet. Zu beachten ist ferner, dass leere Gasflaschen ebenfalls Restdruck enthalten können und daher den gleichen Temperaturschutz wie volle Flaschen benötigen. Das Facility Management muss sowohl für die Bevorratung als auch für den Betrieb von Gasflaschen entsprechende Vorkehrungen treffen, damit diese nicht unkontrolliert erwärmt werden.
Übergabestellen, Lagerräume und Technikflächen
Neben den eigentlichen Behältern sind auch periphere Bereiche im Gassystem von Bedeutung. Übergabestellen (z.B. Tankanschlussstellen für die Befüllung von Gastanks oder zentrale Gasdruckregelanlagen am Gebäudeanschluss) dürfen keiner direkten Sonne und Hitze ausgesetzt werden, um eine einwandfreie Funktion der Armaturen zu gewährleisten. Oft sind solche Anlagen in witterungsgeschützten Gehäusen oder unter Vordächern installiert, was vor Überwärmung und UV-Strahlung schützt.
Gas-Lagerräume innerhalb von Gebäuden müssen so geplant sein, dass sich keine Hitze stauen kann (beispielsweise durch ausreichende Lüftung und keine direkte Sonneneinstrahlung durch Fensteröffnungen). Technikflächen, auf denen Gasanlagen aufgestellt sind (etwa Plattformen, Dachflächen oder separate Anlagengrundstücke), benötigen ebenfalls Beachtung: Hier ist darauf zu achten, dass keine anderen technischen Aggregate Warmluft oder Strahlungswärme auf die Gastanks leiten. Auch sollte der Untergrund (z.B. Asphalt oder Betonflächen) die Hitze nicht zusätzlich reflektieren oder speichern, was die Umgebungstemperatur der Tanks erhöhen könnte. In all diesen Bereichen gilt es, die Gefäßoberflächen vor direkter Hitze zu schützen und sichere Umgebungsbedingungen zu erhalten.
Auswahl geeigneter Aufstellorte
Bereits bei der Planung und Aufstellung von Gastanks und Gasflaschen sollte ein Standort gewählt werden, der von vornherein geringe Wärmeeinflüsse aufweist. Optimal sind kühle, schattige Orte, beispielsweise an der Nordseite eines Gebäudes oder unter bestehender Überdachung. Der Stellplatz sollte außerhalb von Bereichen liegen, die durch Sonneneinstrahlung stark aufgeheizt werden (z.B. asphaltierte Flächen ohne Beschattung). Auch Innenbereiche mit ohnehin moderaten Temperaturen (wie gut belüftete Technikräume ohne große Wärmequellen) sind zu bevorzugen. Wichtig ist, dass bei der Standortwahl der tägliche Sonnenverlauf und jahreszeitliche Unterschiede bedacht werden: Ein Platz, der im Winter unkritisch ist, kann im Sommer stundenlang in der prallen Sonne liegen. Daher sollte im Zweifel ein alternativer Standort mit natürlichem Schatten gewählt oder von Beginn an ein künstlicher Sonnenschutz eingeplant werden. Durch eine umsichtige Aufstellort-Wahl lassen sich viele Temperaturprobleme von vornherein vermeiden.
Abstand zu Wärmequellen und wärmeabstrahlenden Anlagen
Ein wesentliches Prinzip ist, ausreichend Abstand zwischen Gasbehältern und externen Wärmequellen einzuhalten. Offene Flammen, Heizgeräte, industrielle Öfen oder heiße Abluftströme sollten nicht in der Nähe von Tanks oder Gasflaschen positioniert sein. Auch technische Anlagen, die Wärmestrahlung abgeben (wie Dampfleitungen, große Elektromotoren oder Transformatoren), können die Umgebungstemperatur erhöhen. Als Faustregel gilt, dass ein Sicherheitsabstand eingerichtet wird, damit keine direkte Wärmeübertragung auf den Gasbehälter erfolgt. So sollten z.B. Heizkörper oder Prozessanlagen mit hoher Oberflächentemperatur nicht an die Rückwand eines Gasflaschenlagers angrenzen. Durch Abschirmungen oder räumliche Trennung ist sicherzustellen, dass die Temperatur am Standort des Tanks weitgehend der normalen Umgebungs- bzw. Außentemperatur entspricht. Falls sich betriebstechnisch eine Nähe zu Wärmequellen nicht vermeiden lässt, sind zusätzliche Maßnahmen wie Isolierung der Wärmequelle oder forcierte Belüftung des Tankbereichs vorzusehen.
Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung durch bauliche Maßnahmen
Kann eine exponierte Aufstellung in der Sonne nicht vermieden werden, müssen bauliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um direkte Sonneneinstrahlung auf den Behälter zu verhindern. Ein bewährtes Mittel ist die Anbringung von Überdachungen oder Schattendächern über dem Gastank bzw. dem Lagerbereich für Gasflaschen. Diese Dachkonstruktionen sollten dauerhaft und witterungsbeständig ausgeführt sein, damit sie auch bei Wind, Regen und UV-Strahlung stabil bleiben. Alternativ oder ergänzend können seitliche Schattenspender wie Mauern, Schutzwände oder Gitter eingesetzt werden, die allerdings nicht vollflächig geschlossen sein dürfen (um die Belüftung nicht zu beeinträchtigen). Wichtig ist, dass der Schattenwurf über den Tag ausreichend lange auf den relevanten Flächen liegt – ggf. sind Ausrichtung und Größe der Schutzkonstruktion so zu bemessen, dass sowohl Mittagssonne als auch tiefer stehende Sonne am frühen Morgen oder späten Nachmittag abgehalten werden. Temporäre Lösungen wie Planen oder Abdeckhauben können im Notfall Abhilfe schaffen, sollten jedoch nur Übergangslösungen sein, da sie oft nicht hinreichend belüften und bei langer Verwendung selbst Beschädigungen oder Risiken (z.B. Kondenswasser, Windangriffsfläche) mit sich bringen. Grundsätzlich gilt: Direkte Sonneneinstrahlung ist als äußerer Wärmeeinfluss nach Möglichkeit durch bauliche oder organisatorische Maßnahmen auszuschließen.
Sicherstellung ausreichender Luftzirkulation
Eine gute Luftzirkulation rund um den Gastank oder Gasflaschen ist entscheidend, um Wärmeabfuhr zu gewährleisten und Hitzestau zu vermeiden. Stauwärme kann entstehen, wenn Behälter in geschlossenen Räumen ohne Lüftung oder in engen Schränken/Gehäusen gelagert werden, in denen sich die Luft erhitzt. Daher müssen Lüftungsöffnungen und -gitter an Gasflaschenschränken oder Lagerräumen stets frei gehalten werden, damit ein Luftaustausch stattfinden kann. Im Freien sollte darauf geachtet werden, dass um den Tank herum genügend Abstand zu Wänden oder anderen Hindernissen besteht, sodass der Wind oder thermische Auftrieb die erwärmte Luft abtransportieren kann. Sollte ein Behälter in einem umbauten Schrank oder Container stehen, sind idealerweise zwei gegenüberliegende Öffnungen (unten und oben) vorzusehen, um einen Kamineffekt zur Entwärmung zu nutzen. Das Facility Management hat sicherzustellen, dass keine Gegenstände oder Ablagerungen (z.B. Laub, Staub) die Lüftungswege blockieren. Durch ausreichend Luftzirkulation kann die durch Sonneneinstrahlung oder Restwärme entstehende Hitze effizient abgeführt werden, wodurch das System auf unkritischem Temperaturniveau gehalten wird.
Typische Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Überhitzung sind in der folgenden Tabelle übersichtlich dargestellt:
| Schutzmaßnahme | Zweck | FM-Grundanforderung |
|---|---|---|
| Beschattung | Reduktion direkter Sonneneinstrahlung | Dauerhafte, witterungsbeständige Ausführung |
| Belüftung | Abführung von Wärme | Freihaltung von Lüftungsöffnungen |
| Standortwahl | Minimierung externer Wärmeeinflüsse | Berücksichtigung von Tages- und Jahresverlauf |
| Oberflächenzustand | Begrenzung von Wärmeaufnahme | Erhalt geeigneter Beschichtungen |
Die oben genannten Maßnahmen greifen oft ineinander: Ein gut gewählter Standort erleichtert die natürliche Beschattung und Belüftung; eine helle Oberflächenbeschichtung unterstützt wiederum die Reduktion der Sonnenwärmeaufnahme. Im Facility Management ist sicherzustellen, dass alle diese Schutzmaßnahmen in Planung, Umsetzung und Instandhaltung berücksichtigt werden, um einen zuverlässigen und dauerhaften Schutz vor Überhitzung zu gewährleisten.
Festlegung zulässiger Temperaturbereiche
Eine zentrale organisatorische Maßnahme ist die Definition zulässiger Temperaturgrenzwerte für die Umgebung von Gastanks und Gasflaschen. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind für jeden relevanten Anlagenbereich Temperaturbereiche festzulegen, innerhalb derer ein sicherer Betrieb gewährleistet ist. So kann bspw. festgelegt werden, dass die Lagertemperatur von Druckgasbehältern 50 °C nicht überschreiten darf. Diese Grenzwerte sollten sich an technischen Regeln, Herstellerangaben und Erfahrungswerten orientieren. Wichtig ist, dass die festgelegten Temperaturbereiche sowohl für den Normalbetrieb als auch für außergewöhnliche Situationen (z.B. Sommer-Hitzewellen) ausreichend bemessen sind. Alle beteiligten Personen müssen über diese zulässigen Bereiche informiert sein. Es empfiehlt sich, Kontrollpunkte einzurichten (z.B. Thermometer am Tankstandort oder Sensoren in Lagerräumen), um die Einhaltung der Temperaturgrenzen überwachen zu können. Durch klare Vorgaben, welche Temperaturen tolerabel sind, schafft das Facility Management eine Grundlage für gezielte Überwachung und schnelles Eingreifen, falls Werte in einen gefährlichen Bereich zu gehen drohen.
Zuständigkeiten für Überwachung und Kontrolle
Neben der Festlegung technischer Grenzwerte sind eindeutige organisatorische Zuständigkeiten zu definieren. Es muss festgelegt werden, wer im Unternehmen für die regelmäßige Kontrolle der Gastanks und Gasflaschen verantwortlich ist. Dies kann z.B. dem Haustechnik-Personal, einer befähigten Person für Druckbehälter oder dem Sicherheitsbeauftragten übertragen werden. Die verantwortliche Person prüft in festgelegten Intervallen (etwa täglich oder wöchentlich) die relevanten Parameter: Temperaturen, Zustand von Beschattungseinrichtungen, Funktionsfähigkeit von Lüftungen usw. Zudem sollte festgelegt sein, wer im Falle von Auffälligkeiten (z.B. wenn ein Thermometer eine kritische Temperatur zeigt oder eine Schutzeinrichtung defekt ist) zu informieren ist und welche Eskalationswege bestehen. Im Rahmen von Dienstanweisungen oder Betriebsanweisungen sind diese Zuständigkeiten und Abläufe verbindlich festzuschreiben. So ist gewährleistet, dass das Thema Überhitzungsschutz nicht dem Zufall überlassen wird, sondern integraler Bestandteil der Betriebsorganisation ist und im Zweifel schnell reagiert werden kann.
Berücksichtigung bei Planung, Umbau und Erweiterung
Die Anforderung, Tanks vor Wärme zu schützen, muss auch in allen Planungs- und Änderungsprozessen einer Anlage mitgedacht werden. Bei der Neuplanung von Gasanlagen sollten Architekten und Planer frühzeitig mit dem Facility Management zusammenarbeiten, um geeignete Standorte und bauliche Vorkehrungen (z.B. Schutzdächer oder Lüftungseinrichtungen) einzuplanen. Ebenso sind bei Umbauten oder Erweiterungen bestehender Anlagen potenzielle Auswirkungen auf bestehende Gastanks zu prüfen: Beispielsweise kann ein neu angebautes Gebäudeteil den bisherigen Schatten eines Tanks entfernen und ihn plötzlich der Mittagssonne aussetzen – hier wäre dann nachträglich ein Sonnenschutz zu installieren. Werden Produktionsanlagen verlegt oder neue große Maschinen aufgestellt, darf dadurch keine unzulässige Erwärmung in benachbarten Gaslagern entstehen (etwa durch Abwärme). Auch bei der Planung von Fluchtwegen oder Umbauten in Technikräumen ist darauf zu achten, dass Belüftungsöffnungen von Gaslagern frei bleiben. Das Facility Management sollte in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, um ihre Praxiskenntnis zum Hitzeschutz einzubringen. Schlussendlich ist es kostengünstiger und sicherer, Überhitzungsschutz von vornherein mitzudenken, als später aufwändige Nachrüstungen oder Korrekturmaßnahmen vornehmen zu müssen.
Regelmäßige Sichtprüfung auf Hitzeeinwirkung
Eine praktische Maßnahme der präventiven Überwachung ist die wiederkehrende Sichtprüfung aller relevanten Tanks und Gasflaschen auf Anzeichen von übermäßiger Hitzeeinwirkung. Im Rahmen von Begehungen oder Wartungsrunden sollten Mitarbeiter darauf achten, ob z.B. die Oberfläche der Behälter auffällig heiß ist (Vorsicht: Metalloberflächen können in der Sonne sehr heiß werden) oder ob sich Verfärbungen am Anstrich zeigen, die auf UV-Schäden oder Überhitzung hindeuten. Weiterhin ist zu kontrollieren, ob alle Sonnenschutz- und Belüftungseinrichtungen intakt sind: Sind die Schattendächer unbeschädigt und korrekt positioniert? Sind Lüftungsöffnungen offen und sauber? Es empfiehlt sich, insbesondere in den warmen Monaten täglich einen kurzen Blick auf im Freien gelagerte Gasflaschen oder exponierte Tanks zu werfen. Dabei kann z.B. früh morgens und zu Tageshöchsttemperaturen geprüft werden, ob die Temperatur im zulässigen Bereich liegt (ggf. mit einem berührungslosen IR-Thermometer oder fest installierten Temperaturfühlern). Durch diese proaktive Sichtkontrolle lassen sich drohende Probleme frühzeitig erkennen, etwa ein beginnendes Abblase-Ereignis über ein Ventil (hörbares Zischen) oder Verformungen an Kunststoffabdeckungen infolge von Hitze. In solchen Fällen kann umgehend reagiert werden, bevor es zum Störfall kommt.
Beobachtung saisonaler Veränderungen
Die Überwachung sollte auch die jahreszeitlichen Veränderungen berücksichtigen. Im Verlauf des Jahres ändern sich Sonnenstand und Umgebungstemperaturen deutlich, was sich auf die Beanspruchung der Gassysteme auswirkt. So ist im Sommer während Hitzeperioden erfahrungsgemäß das Risiko einer Überhitzung am größten. Das Facility Management sollte daher im Vorfeld der warmen Jahreszeit alle präventiven Maßnahmen überprüfen: Sind die Beschattungen ausreichend dimensioniert, auch für die hoch stehende Sommersonne? Arbeiten alle Ventilatoren oder Lüftungssysteme einwandfrei? Ebenso sollten Notfallpläne für extreme Hitzewellen vorbereitet sein (z.B. Bereithalten von mobilen Schattierungsnetzen oder Sprühanlagen zur Kühlung im Extremfall). Im Herbst wiederum kann herabfallendes Laub Lüftungsgitter verstopfen und muss entfernt werden. Im Winter ist zwar direkte Überhitzung selten ein Problem, doch können geänderte Reflektionsverhältnisse (z.B. Schnee reflektiert Sonnenlicht) oder tiefer stehende Sonne andere Flächen erreichen als im Sommer. Daher sollte die Beobachtung über das Jahr hinweg systematisch erfolgen und dokumentiert werden. Bei Auffälligkeiten zu bestimmten Jahreszeiten können dann gezielt temporäre Maßnahmen ergriffen werden (etwa ein Sonnensegel nur im Hochsommer). Die saisonale Anpassung der Überwachung stellt sicher, dass das Gassystem zu jeder Zeit im Jahr im sicheren Bereich betrieben wird.
Reaktion auf Auffälligkeiten oder Grenzwertüberschreitungen
Treten bei der Kontrolle Unregelmäßigkeiten auf oder werden festgelegte Temperaturgrenzwerte überschritten, ist umgehend gezielt zu handeln.
Folgende Maßnahmen sind beispielsweise zu ergreifen:
Aktive Kühlung oder Abschattung einleiten: Ist ein Behälter akut zu heiß geworden (kurz vor oder bereits oberhalb des Grenzwerts), sollte man nach Möglichkeit schnell für Abkühlung sorgen. Beispielsweise kann vorübergehend ein mobiles Beschattungselement (wie ein Sonnenschirm oder eine Plane) aufgestellt werden. In dringenden Fällen kann der Tank – sofern gefahrlos möglich – mit Wasser berieselt oder besprüht werden, um die Temperatur zu senken.
Bereich sichern und Evakuierungsmaßnahmen: Wenn bereits Gas austritt (erkennbar durch Zischen oder Geruch bei odorierten Gasen) oder ein Sicherheitsventil aktiv ist, muss der umliegende Bereich sofort geräumt werden. Alle Zündquellen sind zu entfernen bzw. auszuschalten. Informieren Sie umgehend die zuständigen Stellen (Sicherheitsingenieur, Feuerwehr bei großen Leckagen) und sperren Sie den Gefahrenbereich ab, bis die Situation unter Kontrolle ist.
Ursachenanalyse und Behebung veranlassen: Nach einer akuten Maßnahme ist die Ursache der Überhitzung zu klären. Wurde z.B. eine Beschattungseinrichtung beschädigt oder entfernt, muss diese schnellstmöglich repariert oder ersetzt werden. Defekte Ventilatoren oder verschlossene Lüftungsgitter sind umgehend instand zu setzen bzw. zu reinigen. Gegebenenfalls sollte auch die Füllmenge des Tanks reduziert werden, bis ausreichende Kühlungsmaßnahmen wieder greifen (insbesondere bei Flüssiggastanks kann ein Teil des Inhalts abgesaugt werden, um den Druck zu senken).
Dokumentation und Info an alle Beteiligten: Jeder Vorfall von Überhitzung oder eingeleiteten Notfallmaßnahmen sollte dokumentiert und intern kommuniziert werden. Nur so lernen alle Beteiligten daraus und können künftig präventiv besser agieren. Falls notwendig, sind die betrieblichen Vorgaben (Temperaturgrenzen, Kontrollintervalle) nach einem Vorfall zu überprüfen und anzupassen.
Grundsätzlich hat im Ereignisfall die Sicherheit oberste Priorität. Das bedeutet, dass bei Überhitzung oder Gasaustritt das Abschalten bzw. Außerbetriebnehmen von Anlagenteilen stets dem Weiterbetrieb vorzuziehen ist, bis die Normalbedingungen wiederhergestellt sind. Ein klar definierter Notfallplan für solche Situationen hilft dem Facility Management, strukturiert und besonnen vorzugehen.
Grundverständnis für temperaturbedingte Risiken
Eine wirksame Prävention setzt voraus, dass das zuständige Personal die Risiken, die mit überhöhten Temperaturen bei Gassystemen einhergehen, grundlegend versteht. Daher sollten im Rahmen von Schulungen die physikalischen Zusammenhänge (Drucksteigerung bei Temperaturerhöhung, Verhalten von Flüssiggas bei Erwärmung etc.) erläutert werden. Wenn Mitarbeiter wissen, dass z.B. bereits eine moderate Temperaturerhöhung zu deutlich höherem Druck im Tank führt, werden sie die Schutzmaßnahmen eher ernst nehmen. Es ist auch sinnvoll, Beispiele von Unfällen oder Beinahe-Unfällen durch Überhitzung zu besprechen, um ein Gefühl für die potenziellen Folgen zu vermitteln. Das Grundverständnis sollte so weit gehen, dass jeder im Team erkennt: Der Tank selbst ist zwar robust konstruiert, aber unsachgemäßer Umgang (wie das Aussetzen ungeschützt in praller Sonne) kann zu gefährlichen Situationen führen. Dieses Wissen bildet die Basis für verantwortungsbewusstes Handeln.
Verhaltensregeln für FM-Personal und Fremdfirmen
Neben dem theoretischen Verständnis müssen klare Verhaltensregeln kommuniziert und eingeübt werden. Diese Regeln gelten sowohl für eigenes Facility-Management-Personal als auch für externe Firmen, die auf dem Gelände tätig sind.
Wichtige Punkte sind u.a.:
Keine langfristige Sonnenexposition: Gasflaschen und mobile Tanks dürfen nicht unnötig lange ungeschützt in der Sonne stehen. Wenn ein Arbeitsvorgang beendet ist, sind sie wieder an den vorgesehenen schattigen Lagerplatz zurückzustellen.
Abstand zu Hitzequellen einhalten: Es ist darauf zu achten, dass keine Heizlüfter, Schweißarbeiten oder andere Hitze entwickelnde Tätigkeiten in direkter Nähe von Gastanks erfolgen, ohne Schutzmaßnahmen zu treffen. Externe Handwerker müssen über solche Verbote informiert werden (z.B. kein offenes Feuer oder heiße Arbeiten neben Gaslagern).
Schutzeinrichtungen nicht manipulieren: Beschattungsvorrichtungen, Ventilationssysteme oder Alarmmelder dürfen keinesfalls deaktiviert, verstellt oder blockiert werden. Selbst kurzfristiges Entfernen einer Schutzabdeckung (etwa „um besser an den Tank heranzukommen“) ist zu unterlassen bzw. nur in Abstimmung mit zuständigem Personal erlaubt.
Bei hohen Temperaturen aufmerksam sein: An sehr heißen Tagen ist besonders wachsam zu agieren. Etwa sollten Kontrollintervalle verkürzt werden und Mitarbeiter in der Nähe von Gasanlagen auf ungewohnte Geräusche (Ventilgeräusche) oder Geruch achten. Gegebenenfalls sind proaktive Maßnahmen wie das spätere Nachfüllen von Tanks in die kühleren Abendstunden zu verlegen.
Persönliche Schutzausrüstung und Vorsicht im Ereignisfall: Alle im Umgang mit Gassystemen beteiligten Personen müssen wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn es doch zu einer Überhitzung oder einem Gasaustritt kommt. Dazu gehört das Tragen von geeigneter Schutzausrüstung (z.B. hitzebeständige Handschuhe, im Leckfall ggf. Atemschutz) und die strikte Befolgung der Notfallanweisungen (Räumung, Absperren, Hilfe rufen).
Durch solche klaren Verhaltensregeln, die in Betriebsanweisungen verankert und über Aushänge oder Unterweisungen kommuniziert werden, wird ein einheitliches Verhalten aller Beteiligten sichergestellt. Jeder soll wissen, was erlaubt ist und was nicht, um die Temperaturbelastung der Tanks minimal zu halten.
Integration in Sicherheitsunterweisungen
Der Themenkomplex "Schutz vor Überhitzung und Sonneneinstrahlung bei Gassystemen" sollte fest in die allgemeine Sicherheitsunterweisung des Betriebs integriert werden. Neue Mitarbeiter, die in einschlägigen Bereichen arbeiten, müssen gleich zu Beginn über die speziellen Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit den Gasanlagen informiert werden. Aber auch für die bestehende Belegschaft bietet es sich an, mindestens jährlich im Rahmen der Sicherheitsunterweisungen dieses Thema aufzufrischen. Hierbei können praktische Checklisten verteilt werden, die z.B. für den Sommerbetrieb von Gasflaschenlagerstellen gelten. Wichtig ist auch die Sensibilisierung von Vorgesetzten und Planern: Abteilungsleiter und Projektplaner sollten Schulungen erhalten, die ihnen die Bedeutung dieses Themas für den Gesamtsicherheitsstatus der Anlage vor Augen führen. Nur wenn auf allen Ebenen Bewusstsein dafür besteht, wird bei Entscheidungen (wie z.B. baulichen Änderungen oder Wartungsplanungen) immer auch der Aspekt Überhitzungsschutz mit einbezogen. Letztlich schafft man durch konsequente Schulung und Sensibilisierung eine Sicherheitskultur, in der der sorgsame Umgang mit Gastanks – einschließlich dem Schutz vor zu viel Wärme – selbstverständlicher Teil der Arbeitsroutine ist.
